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Onlineberatung für Mädchen in Bremen

Digitale Gewalt

Digitale Medien wie Handy, PC oder Internet sind spannend und aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Wenn damit Leute gezielt fertig gemacht, beleidigt, bloßgestellt, isoliert, beschimpft, erpresst und bedroht werden, geht es um digitale Gewalt. Einzelne Aktionen werden auch als Cyber-Mobbing oder Cyber-Stalking bezeichnet.

Fotos im Netz

Eine Freundin macht Fotos von dir, du bist mit der Aufnahme einverstanden. Später findest du diese bei Facebook oder WhatsApp. Sie hat dich nicht gefragt, ob sie die Fotos dort einstellen darf. Du machst heimlich Fotos von deiner Freundin bei ihr zu Hause und stellst sie später z. B. bei Facebook ein. Gefragt hast du deine Freundin nicht.

§ Das Gesetz sagt dazu:

Nur mit dem Einverständnis der Aufgenommenen dürfen Aufnahmen im Privatbereich (Wohnung, Toilette etc.) gemacht, gezeigt, weiter gegeben oder ins Internet eingestellt werden. Ohne das Einverständnis der abgebildeten Person kann das Anfertigen, Zeigen, Weitergeben oder das ins Netz Stellen strafbar sein. Das ist eine Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Das Gesetz sieht eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr vor (§ 201a Absatz 1 StGB).

Eigentlich klar: Dies gilt auch für Film- und Tonaufnahmen, für peinliche Situationen und auch, wenn Erwachsene z. B. Lehrer/-innen gefilmt oder aufgenommen werden. Die Erlaubnis, dass die Fotos gezeigt oder eingestellt werden dürfen, kannst du übrigens jederzeit wieder zurücknehmen.

Dein Handy, deine Mails

Dein Freund nimmt dein Handy und liest deine SMS, er sieht, wer dich und wen du angerufen hast, dein Passwort für deinen E-Mail Account kennt er auch.
Na und - du machst das umgekehrt auch alles bei ihm?

Mit wem du telefonierst, mailst oder chattest, ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Wenn du anderen diesen Einblick gewährst, gibst du ihnen ebenfalls die Möglichkeit, dich zu kontrollieren oder unter Druck zu setzen. Auch in einer Beziehung hat niemand das Recht, den anderen zu kontrollieren. Mit Liebe hat das dann nichts mehr zu tun. Nach dem Ende einer Beziehung oder Freundschaft ist es wichtig, sofort alle Zugänge und Passwörter (die du nutzt) zu ändern.

§ Das Gesetz sagt dazu:
Verboten ist das nicht.

Problematische Bilder

Du lässt dich nackt fotografieren, die Bilder sind nur für dich und ihn, denkst du. Denkt er genauso? Was machst du, wenn er die Fotos seinen Freunden zeigt? Oder wenn er dir droht, sie an deine Eltern oder deinen Arbeitgeber zu senden, damit du irgendetwas tust, was er will?

Bevor du solchen Fotos zustimmst, überlege dir, ob sie wirklich nötig sind. Die Gefahr, dass die Aufnahmen verbreitet werden, ist sehr hoch. Verabrede, wie mit gemeinsam aufgenommenen Fotos, Videos etc. umgegangen werden soll, bevor sie gemacht werden. Vereinbart auch, was geschieht, wenn Ihr Euch trennt. Löscht Ihr die Fotos gemeinsam? Vereinbart Ihr, dass Fotos nicht herumgezeigt werden? „Erpressung“ mit Aufnahmen (z.B. unter der Toilettentür durch) sind weit verbreitet. Oft werden Geld oder andere Leistungen wie abschreiben lassen, Hausaufgaben für den Täter/ die Täterin gefordert, damit die Aufnahmen nicht weitergegeben oder ins Netz gestellt werden.

§ Das Gesetz sagt dazu:
Das kann Nötigung oder auch Erpressung sein. Dann sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren vor. Schon der Versuch ist strafbar (§ 253 StGB). In jedem Falle gelten die in Punkt 1 dargestellten rechtlichen Bedingungen – die Veröffentlichung und Weiterverbreitung von privaten Aufnahmen bedürfen in jedem Falle dem Einverständnis der abgebildeten Personen.

Sexvideos

Du hast deine Bluetooth Funktion aktiviert und bekommst ein Video auf dein Handy. Du weißt nicht von wem, siehst aber ein dir bekanntes Mädchen beim Sex. Vielleicht denkst du, „was für eine Schlampe“.
Kannst du wirklich einschätzen, ob sie freiwillig oder gezwungen „mitmacht“? Wenn sie nicht wollte, ist es Vergewaltigung. Du weißt auch nicht, ob sie von der Aufnahme weiß oder ob sie mit der Aufnahme erpresst wird. Sicher ist es ihr bestimmt nicht recht, wenn du oder andere sie so sehen.
… und wieso sind eigentlich Mädchen beim Sex angeblich „Schlampen“ und Jungen nicht?

§ Das Gesetz sagt dazu:
Du darfst ein Video, das sexuelle Handlungen zeigt, nicht weiterverbreiten. Du darfst es auch niemandem zeigen, weil schon das Zeigen und das Weiterverbreiten strafbar ist. Das Gesetz sieht eine Freiheitsstrafe von 1 Jahr vor (§ 184 StGB). Wenn du die abgebildete Person kennst, informiere sie über die Aufnahmen und biete ihr an, dass du ihr dein Handy als Beweismittel zur Verfügung stellst, wenn sie etwas gegen die Täter unternehmen will (damit machst du dich nicht strafbar).

Dies gilt selbstverständlich auch bei Straftaten, z.B. Vergewaltigung, oder wenn jemand zusammengeschlagen und dabei gefilmt wird (sogenanntes „happy slapping“).

Gewaltvideos

Du hast etliche Videos auf dem Handy gespeichert, auf denen Mädchen und Frauen oder Jungs äußerst mies und brutal behandelt werden, und zeigst sie gerne weiter.

Es hat nichts mit Coolness zu tun, solche Videos zu besitzen – im Gegenteil. Wenn deine Freunde dich nur dann respektieren, wenn du menschenverachtende Videos auf deinem Handy hast, ist das eher ein Armutszeugnis. Beweise lieber, dass du auch anders cool sein kannst.
Der Besitz oder die Weitergabe von Darstellungen, die andere Menschen demütigen oder in erniedrigender Weise zeigen, sind kein Ausdruck von Stärke, sondern von Menschenverachtung und einem niedrigen Selbstwertgefühl.

§ Das Gesetz sagt dazu:
Oftmals sind die Inhalte und die Verbreitung strafbar.

Beleidigungen im Netz

Du hast mit deinem Freund Schluss gemacht, er ist sauer und verbreitet im Internet‚ „du treibst es mit jedem“. Du bekommst beleidigende SMS von Fremden, die dich auffordern, mit ihnen ins Bett zu gehen.
Deine große Liebe hat Schluss gemacht, du bist sauer und tauschst dich mit Freundinnen darüber bei ICQ und im Chat aus. Du behauptest, er sei ein impotenter Loser (obwohl das nicht stimmt). Alle wissen, wer gemeint ist.
Das machen doch alle?!

Das funktioniert leider so gut, weil es anscheinend alle machen. Doch wenn du dich daran beteiligst, zerstörst du den Ruf von anderen und machst sie lächerlich. Eigentlich klar: wenn du intime Sachen von jemandem weißt, dann trägst du die Verantwortung dafür, dass nicht alle Welt davon erfährt. Was dir vertraulich mitgeteilt wurde oder was du vertraulich mitteilst, ist nicht zur Veröffentlichung im Internet oder zur Weitergabe an andere Personen bestimmt. Stell dir vor, es passiert dir. Verabrede mit deinen Freunden, auch mit den virtuellen, an welche Regeln ihr euch halten wollt: z. B. kein beleidigendes, bedrohendes oder erniedrigendes Verhalten zu akzeptieren.

§ Das Gesetz sagt dazu:
Das kann strafbar sein und den Tatbestand der Beleidigung oder üblen Nachrede erfüllen. Das Gesetz sieht eine Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahren vor (§§ 185, 186 StGB). Du kannst von der betroffenen Person auf Unterlassung, Schadensersatz und Schmerzensgeld verklagt werden. Das kann ziemlich teuer werden.

Unwahrheiten im Netz

Jemand veröffentlicht unter deinem Namen falsche Behauptungen im Internet. Deine Freunde sind schockiert darüber, was „du“ da von dir gibst. Du wirst überall darauf angesprochen.

§ Das Gesetz sagt dazu:
Mit falschen Behauptungen kann sich die verursachende Person strafbar machen. Der Tatbestand der Beleidigung oder üblen Nachrede kann erfüllt sein. Das Gesetz sieht eine Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahren vor (§§ 185, 186 StGB).
Das gilt selbstverständlich auch für dich, wenn du einen gefakten Account verwendest und dort falsche Behauptungen verbreitest.

Hilfe

Digitale Gewalt ist nichts, womit du alleine fertig werden musst. Sprich mit jemandem, dem du vertraust oder hol dir Unterstützung.

Gerne kannst du uns hier in der Onlineberatung schreiben. Entweder direkt an die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle im geschützten Bereich der Safe Area oder so das dir auch andere Mädchen antworten können im Offenen Forum. Wenn du möchtest, kannst du natürlich auch zu uns in die Beratungsstelle kommen. Wir haben Schweigepflicht und du musst deinen Namen nicht nennen. Mehr Informationen zu unserer Beratungsstelle findest du hier: Beratung im Mädchenhaus Bremen 

Dieser Text kommt aus einer Broschüre des Frauennotrufs Frankfurt zum Thema „Digitale Gewalt“. Hier kannst du dir die ganze Broschüre anschauen und runterladen: Flyer Digitale Gewalt